Iphigenie


Iphigenie
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Tochter der Klytaimestra* und des Agamemnon**, der eine Kränkung der Göttin Artemis* durch Iphigenies Opferung sühnen soll. Eben will man das Mädchen töten, da entführt es die Göttin durch die Lüfte nach Tauris am Schwarzen Meer; als Opfer läßt sie eine Hirschkuh am Altar zurück (Euripides, Iphigenie in Aulis). In Tauris muß Iphigenie der Artemis als Priesterin dienen und ihr auf Geheiß des Königs Thoas alle Fremden opfern, die das barbarische Land betreten. Dieses Schikksal droht auch ihrem Bruder Orestes* und dessen Freund Pylades*, als sie ein Orakelspruch des Apollon* zu den Tauriern führt. Orestes soll von dort das Bild der Artemis nach Attika bringen, um endlich von dem Mord an seiner Mutter Klytaimestra* entsühnt zu werden. Die beiden Freunde fallen aber den Häschern des Thoas in die Hände und werden gefesselt zur Priesterin gebracht. Diese läßt sich von ihnen die Ereignisse der letzten Jahre berichten und will zum Dank dafür einem der beiden das Leben schenken, damit er einen Brief in ihre Heimat bringe. Orestes ist zum Sterben bereit und möchte Pylades gerettet wissen – da stellt sich heraus, daß der Brief für ihn, Orestes, bestimmt ist, und die Geschwister erkennen einander. Mit einer List versuchen nun die Freunde, das Götterbild und Iphigenie zu ent-
führen, doch der Fluchtversuch scheitert. Nun aber greift die Göttin Athene ein und sorgt für ein glückliches Ende (Euripides, Iphigenie in Tauris).
Diesen von Euripides aus älteren Motiven frei gestalteten Gang der Handlung legte Johann Wolfgang von Goethe seiner ›Iphigenie auf Tauris‹ (1787) zugrunde; allerdings weigert sich bei ihm Iphigenie, den König zu hintergehen, und gesteht ihm, was Pylades beabsichtigt. Thoas, der Iphigenie lange vergeblich umworben hat, wächst darauf über sich selbst hinaus und läßt die drei Griechen ziehen. Daß Iphigenie durch »reine Menschlichkeit« den Barbarenkönig dazu bringt, zu verzeihen und zu verzichten, ist programmatisch: Dahinter steht Goethes Idealvorstellung von Humanität. Auch Christoph Willibald Glucks 1779 uraufgeführte Oper ›Iphigenie auf Tauris‹ lehnt sich an das Drama des Euripides an, doch bleibt in ihr Thoas unversöhnlich: Er fällt durch Pylades, und Artemis erscheint als dea ex machina, um die Griechen vor den wütenden Tauriern zu retten. Im letzten Stück von Gerhart Hauptmanns Atriden-Tetralogie, ›Iphigenie in Delphi‹ (1941), nimmt sich die Heldin, die so viele Menschen getötet hat, selbst das Leben: Sie stirbt als Opfer, wozu sie längst bestimmt ist. Wie Helfer des Priesters Kalchas* Iphigenie zum Altar schleppen, während Artemis schon mit der Hirschkuh erscheint, zeigt ein Wandgemälde aus dem »Haus des
tragischen Dichters« in Pompeji (um 70 n. Chr., Neapel, Museo Archeologico Nazionale). Viel Pathos und barocker Faltenwurf beherrschen ›Iphigenies Opferung‹ des Dalmatiner Malers Federico Bencovich (vor 1730, Pommersfelden, Schloß Weißenstein). Auf Tauris, »das Land der Griechen mit der Seele suchend« (Goethe), malte sie Anselm Feuerbach (Iphigenie; 1862, Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, und 1871, Stuttgart, Staatsgalerie).

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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